6.09.

Reverse Engineering: Lösungen in der Flächenrückführung

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Reverse Engineering – also das rekonstruieren von Bauelementen – erfordert viel Erfahrung und technisches Know-How. Im vorhergehenden Beitrag haben wir uns die Vorteile von Rapid Product im Detail angesehen. Im Praxisbeispiel des Getränkeherstellers Radlberger war dort bereits von Reverse Engineering die Rede. Im aktuellen Beitrag soll nun näher auf diese Fertigkeit eingegangen werden.

Reverse Engineering: Flächenrückführung eines Rettungsnotlichtes

Reverse Engineering: Flächenrückführung eines Rettungsnotlichtes

Bei der Flächenrückführung durch Reverse Engineering wird ein beliebiger Gegenstand auf eine geeichte Platte gelegt, um Messpunkte an den verschiedenen Achsen (x,y,z) zu definieren. Daraus resultiert eine Punktewolke oder zumindest Punkte in einem Raum, die vom Konstrukteur nun in ein vollständiges CAD-Modell konvertiert werden kann. Dieser Vorgang stellt zweifellos die schwierigste Herausforderung in diesem Prozess dar. Ohne Skills, Erfahrung und Genauigkeit können hier schlicht und einfach keine zufriedenstellenden Ergebnisse erzielt werden.

Anzumerken ist, dass auch automatische Systeme zum Reverse Engineering existieren. Diese können zwar, in Zukunft eventuell, für noch effizientere Arbeitsweisen sorgen, ich würde sie in der Gegenwart aber als nicht optimal bewerten. Der Grund: Die Lösungen sind im Endeffekt zu unpräzise und kommen nicht an den Output eines hochqualifizierten Personals heran.

 

Systeme und Anforderungen beim Reverse Engineering

Oft tritt die Frage auf, welche Systeme wir für den Reverse Engineering Prozess einsetzen. Wir vertrauen hier auf eine Renishaw Messmaschine, welche in der Funktionsweise mit einer Fräsmaschine vergleichbar ist. Außerdem haben wir einen speziellen „Messarm“ von cimcore. Dieser hat sieben Achsen und ist von der Beweglichkeit her mit einer echten menschlichen Hand identisch.

Dadurch ergeben sich natürlich verschiedenste Einsatzmöglichkeiten dieses Spezialgerätes. Bei Bedarf können wir damit Messungen direkt beim Kunden durchführen, was unsere Flexibilität enorm steigert. Erwähnenswert ist auch das System zur intelligenten Flächenrückführung, welches wir in Verwendung haben. Dieses erkennt den jeweiligen Radius mit extremer Genauigkeit. Momentan wird dieser Service ansonsten von niemanden angeboten.

Eine häufige Problemstellung, die zum Einsatz von Reverse Engineering führt, ist immer wieder der Mangel an CAD-Daten für ein bestimmtes Bauteil. Durch den Flächenrückführungsprozess kann jedes Bauteil innerhalb von 24 Stunden aus hochlegiertem Stahl angefertigt werden. Einschränkungen gibt es hier kaum.

 

Lasererfassung und fertiges CAD-Model

Lasererfassung und fertiges CAD-Model

 

Reverse Engineering in der Praxis

Werkstück

Werkstück

Reserve Engineering ist ein spezieller Arbeitsschritt, der nicht alltäglich zur Anwendung kommt. Trotzdem gibt es regelmäßig Aufträge, die eine Anwendung erfordern.

Aufträge aus der Praxis wären beispielsweise der Bau von 100 Prototypen-Werkzeugen für die Firma Magna oder dem bereits zuvor angesprochenen Auftrag der Firma Radlberger. Reverse Engineering kam auch beim Designauftrag für die Sondersignal-Integration bei einem Volkswagen T5 für den Rettungsdienst bzw. die Firma Dlouhy in Tulln zum Einsatz.

Auch abseits vom Formenbau hat Reverse-Engineering bereits voll Einzug gehalten. In der Medizin und sogar in der Kunst wird darauf vertraut. Von Künstlern verschönerte Objekte können via Reverse Engineering realisiert werden.

Problematisch sind oft Lizenzbedingungen, bei denen Unternehmen das Reverse Engineering ihrer Produkte untersagen. Wenn es um Kleinserien bzw. Prototypen geht, dann liegen zudem wichtige Informationen noch nicht vor. Reverse Engineering ist also keinesfalls ein Konzept zum gewerblichen Nachbau, worauf an dieser Stelle deutlich hingewiesen werden soll.

 

Fazit

Reverse Engineering schafft Lösungen in der Flächenrückführung, bei denen man kaum an Einschränkungen gebunden ist. Durch intelligente Systeme wird für Flexibilität gesorgt und Zeit sowie Kosten werden gespart.

Die Herausforderung bei diesem Prozess ist vor allem das Schließen von der Punktewolke auf das fertige CAD-Modell. Das erfordert Skills und Erfahrung seitens der agierenden Konstrukteure.

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2 Kommentare

  1. Boris Koller sagt:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Sie schreiben, dass es auch automatische Systeme zum Reverse Engineering gibt.
    Da wir in bestimmten Fällen sogar eine Ungenauigkeit der erstellten Flächen wollen, ist das für uns sehr interessant.
    Können Sie mir entsprechende SW nennen?
    Vielen Dank.

    Freundliche Grüße
    Boris Koller
    MAN Truck & Bus AG

    • admin sagt:

      Sehr geehrter Hr. Koller!

      Vielen Dank für Ihre Frage.
      Das Ergebnis der erwähnten Systeme ist sehr von der Anwendung abhängig. Das Forum hier ist leider nicht geeignet um ihren Bedarf genau zu klären, oder die Leistungen unserer Systeme zu beschreiben. Wir erlauben uns, sie diesbezüglich persönlich zu kontaktieren.
      Mit sonnigen Grüßen
      Chris Steiner
      INDAT

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